Tegelhörn
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Ein Stadtteil einsteht
Die Geschichte

Gut Pünstorf - Entstehung eines Stadtteils

Dorf, Gut und schließlich Wohnsiedlung

Die Geschichte von Pünstorf ist wechselhaft. Die Eigentümer der ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Flächen haben oft gewechselt. Eine Kennerin der Pünstorfer Geschichte ist die Itzehoerin Elsbe Junge, deren Familie in engem Kontakt zu der einstigen Pünstorfer Gutsbesitzerfamilie Pröhl stand. Elbe Junge: "Familie Pröhl war eng befreundet mit der Familie meines Mannes, Theodor Junge, meine Darstellung soll dazu beitragen, dass diese Familie den Platz in der Gesellschaft erhält, der ihr gebührt."  

Der erste Eigentümer der Pünstorfer Ländereien ist im Jahre 1369 urkundlich erwähnt: Vollrad von Nübel. Er verkaufte seinen Besitz an die St.-Laurentii-Kirche zu Itzehoe, die aber schon 1391 das Areal an Marquardt von Campen veräußerte, der wiederum fünfeinhalb Hufen an das Kloster abtrat. 1435 verkauften die Brüder Henneke und Hartwig von Krummendiek - in vielen Jahrhunderten ein mächtiges Adelsgeschlecht in Holstein - den Pflugzehnten an das adelige Kloster zu Itzehoe.   

Bis nach dem 30-jährigen Krieg - 1618 bis 1648 - ist über Pünstorf nichts weiter bekannt. Gewiss ist nur, dass es zu der Zeit bereits ein Dorf war im Eigentum des Klosters. Kurz nach dem 30-jährigen Krieg wurde das Dorf Pünstorf niedergelegt, um Raum zu schaffen für eine groß angelegte Schäferei des adligen Klosters. Das ist der Anbeginn für eine Gutsanlage. Der erste Pächter auf Zeit ist Max Dammann aus Münsterdorf, 1764 bis 1779, der zweite ist Michael Harder aus Aspe (Hohenaspe) von 1779 bis 1784. Der dritte Zeitpächter ist Timm Schlüter aus Kaaks von 1779 bis 1810, danach folgen die Erbpächter.

1810 - 1822 Justiarius Gerichtshalter Johann Hermann Scheel, 1822 - 1826 Inspektor Georg Christian Joachim Beller, 1826 - 1830 Herr von Bargen, 1830 - 1836 Johann Christian Hinrich Langermann, 1836 - 1862 Johann Conrad Wilhelm Heinrich Langermann, 1862 - 1891 Nathan Michael Nathamson aus Hamburg, 1891 - 1900 Adolf Dönner, 1900 - 1903 Heinrich Engelbart Bense,1903 - 1908 Steffen Friedrich Hansen. Im Jahre 1908 tritt als Eigentümer der Rittmeister a. D. Ullrich Rottka auf. Zu diesem Zeitpunkt ist der Hof 109 Hektar groß. Aber auch der Rittmeister konnte den Hof nicht halten - er ging am 02. Oktober 1915 für 580 000 Reichsmark in den Besitz der Stadt Itzehoe über.  

Von 1917 - 1920 war das Herrenhaus Pünstorf Schulheim für erholungsbedürftige Kinder: die "Waldschule". Jeweils 60 Kinder verbrachten dort künftig elfwöchige Erholungskuren, während Sie von den Lehrern unterrichtet wurden. Eine Krankenschwester betreute die Kinder. Der Unterricht fand bei guten Wetter auf zwei Waldlichungen statt. Nur Sonntags waren die Kinder bei Ihren Eltern. Der Waldschularzt Dr. med. Hansen schreibt: "Die Erfolge im ganzen sind befriedigend. Unterernährung, Blutarmut allgemeine Schwäche und skrophulose Leiden wurden ausnahmslos gebessert bzw. völlig behoben." Es wird berichtet, dass die Kinder vier bis fünf Pfund zunahmen. 1919 wurden aus finanziellen Gründen die Kuren auf zehn Wochen gekürzt. 1920 verkaufte die Stadt Itzehoe die Ländereien wieder - ein Teil ging ans Kloster zurück, der Kern wurde verkauft an den Amsterdamer Bankier Ernst Pröhl, in Hamburg geboren. Als Ersatz für die Waldschule wurde 1920 am Lübscher Brunnen eine Ferienkolonie eingericht, in der insgesamt 280 Kinder je vier Wochen verbrachten.

Zum Pünstorfer Besitz gehörte auch der Hof Amänenwarte, hier konnte Ernst Pröhl seinen hochgezüchteten Pferden eine Heimat geben. 1925 baute er den heute noch intakten großen Pferdestall. Doch die Pferde konnten das Klima nicht vertragen und so wurde das Gestüt nach Köln verlegt und der Hof Amönenwarte 1926 an die Familie Stahl aus Hohenaspe verkauft und befindet sich noch heute in der Familie.

Ernst Pröhl, verheiratet mit einer Halbjüdin, arbeitete auch mit jüdischen Banken zusammen und wurde dafür in Holland ins Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Nach einen halben Jahr Haft hatte er nur zwei Möglichkeiten: entweder staatliche Einzug von Pünstorf oder Verkauf. Er verkaufte den Besitz 1941 an die Stadt Itzehoe. Wertvolle Gemälde aus seinem Besitz musste er an Hermann Göring abgeben.

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es einen Wiedergutmachungsprozess um den Zwangsverkauf an die Stadt Itzehoe in der alten  de Vos'schen Villa statt. Der Prozess fiel zugunsten der Stadt aus. Itzehoe konnte sich ausdehnen und eine stattlicher und begehrter Stadtteil entstand: TEGELHÖRN

1995 verkaufte die Stadt das Pünstorfer Herrenhaus an die Familie Buttkewitz, die aus Ostpreußen stammte. Auf dem übrigen Gelände entstanden Einfamilienhäuser. 1992 verkaufte Buttkewitz das Herrenhaus wiederum an private Hände. Das baufällige Gebäude wurde Mitte der 90er Jahre abgerissen und auf dem Gelände wurden Wohnhäuser gebaut.  

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